Donnerstag, 15. August 2013

Ist das Kunst oder kann das weg?

Der Film "La leggenda di Kaspar Hauser / The legend of Kaspar Hauser" von Davide Manuli


Irgendwie sind sie alle ein bisschen durchgeknallt auf diesem Eiland. Insofern würde die Ankunft eines weiteren verschrobenen Wesens das Inselleben nicht weiter stören. Tut es aber doch: der an den Strand gespülte Mensch bringt die mühsam aufrecht erhaltene (Un-)Ordnung der wenigen Bewohner derart durcheinander, dass es am Ende einen Toten gibt. Und das, obwohl der Neuankömmling eigentlich nur tanzen will...

Was Davide Manuli mit seiner sehr, sehr, sehr, sehr freien Interpretation des alten Stoffes vom erbarmungswürdigen Findelkind abliefert, spottet jeder Beschreibung - und zwar im besten Sinne. Allein die Einordnung in ein Genre fällt schwer, denn hier wird munter zwischen Drama, Komödie, Western und Science-Fiction gewechselt. Die überwiegend statischen Bildeinstellungen fangen eine ebenso spröde wie faszinierende Schwarz-Weiß-Kulisse ein, vor der eine minimalistische Besetzung die absurdesten Mono- und Dialoge absondert.

Dass der Film auch in deutschen Kinos ausschließlich in untertitelter Original-Version läuft ist eher Bereicherung als Ärgernis, denn nur so erreichen die bizzaren Wortwechsel der Figuren den Zuschauer in all ihrer Skurrilität. Und als etwa zur Hälfte des Films Kaspar Hauser erstmals die Stimme erhebt, wird auch den letzten Zweiflern klar: Hier spricht, spielt und tanzt tatsächlich eine Frau! Die jedoch ist derart androgyn, dass DJ Hausers sexuelle Zugehörigkeit ebenso unklar bleibt wie ihre / seine Herkunft und Identität.

Neben der mal apathisch, mal ekstatisch (re-)agierenden Silvia Calderoni glänzt Vincent Gallo in einer Janusrolle. Er ist – anfangs durchaus wörtlich – nicht nur der Sheriff, sondern auch der Pusher des Ortes und sorgt damit sowohl für das Auftauchen als auch für das Verschwinden des bedrohlichen Fremdkörpers Kaspar Hauser.