Donnerstag, 7. Mai 2015

Böses Erwachen

Der Film "Als wir träumten" von Andreas Dresen


Unübersichtlich, unruhig, unausgegoren - auf diese wenig schmeichelhaften Worte lässt sich die Verfilmung des gleichnamigen Debüts von Clemens Meyer zusammenstreichen. Es wäre ein Leichtes, das auf die etwas sperrige Vorlage zurückzuführen. Doch Dresen hat oft genug bewiesen, dass er auch Schwieriges wunderbar umsetzen kann. Woran also liegt's?

In erster Linie tatsächlich am Buch. Nicht aber an dem von Meyer, sondern an dem von Kohlhaase. Der altgediente Drehbuchautor will aus dem Roman herauspressen, was so nicht drin steht - und versucht auch noch, dessen chaotische Struktur zu übernehmen. Weil die auf der Leinwand nur bedingt funktioniert hätte, arbeitet Kohlhaase lärmige Zwischentitel und quietschbunte Rückblenden in den DDR-Schulalltag ein. Außerdem glättet und feilt er solange an den Dialogen und Zeitsprüngen herum, bis von Meyers dynamischer Jungen-Clique nur noch ein Häuflein hibbeliger Halbstarker übrigbleibt.

Die lässt Regisseur Dresen dann marodierend durch halbdunkle Straßen ziehen und völlig den Überblick verlieren. Dazu bemüht er derart viele Klischees, das einem übel zu werden droht: putzig-albern agierende Pioniere, Bandenkrieg wegen eines (zwar schönen, aber erschreckend farblosen) Mädchens, aus Feigheit resultierender Verrat, plakativ in Szene gesetzte Rechtsextreme, sächselnd-tumbe Polizisten und... und... und. Über dem Tempo, in dem das alles passiert, vergisst Dresen den Blick auf das Wesentliche: seine Hauptfiguren. Weil der Zuschauer ihnen nicht wirklich nahe kommen darf, lässt ihn - was immer sie tun oder angetan bekommen - seltsam kalt.

Die zweite Hälfte des Films ist ruhiger, aber deswegen nicht besser. Auch hier bleibt alles eigenartig emotionslos. Darüber hinaus verfitzt sich Dresen in einer Reihe parallel verlaufender Erzählfäden, deren Enden zum Schluss allesamt lose herunterbaumeln. Das ist defintiv zu wenig für das große Scheitern, von dem die Geschichte erzählen will.

Den eigentlichen Knaller leistet sich der Film zum Schluss: Mit dem Kniff, den Titel "Als wir träumten" erst im Abspann zu nennen, macht er noch einmal schmerzhaft deutlich, dass von den Träumen der Teenies im ganzen Streifen nicht ein einziges Mal die Rede gewesen ist.