Montag, 28. Dezember 2015

Ihre Welt sind (nicht nur) die Berge

Der Film "Heidi" von Alain Gsponers


Zum gefühlt 100. Mal ist Johanna Spyris Geschichte um ein kleines Waisenmädchen auf Filmmaterial gebannt worden. Doch zum gefühlt ersten Mal gelingt es einem Team, statt Kitsch echte Herzenswärme zu verbreiten, denn anders als andere rücken Drehbuch und Regie die Realität in den Mittelpunkt der Handlung.

Die Figuren und Schauplätze sind nicht schwarz oder weiß, sondern wohltuend meliert. Sowohl das Leben auf der Alm als auch das Dasein in der Stadt haben ihre Licht- und Schattenseiten. Die traumhafte Kulisse und die unberührte Natur kontrastieren mit ärmlichen Behausungen, schlechter Versorgung, kränkelnden Menschen und einem ruppigen Umgangston; im feinen Hause Sesemann blitzen unter dem strengen Regime und den noch strengeren Regeln auch Witz und kleine Verschwörungen hervor.

Im Gegensatz zur Romanvorlage entwickelt sich Gsponers' Heidi und setzt sich ein Ziel, auf das sie immer beständiger hinarbeitet. Auch ihre häufig verkitschte Sehnsucht nach den Bergen bekommt hier ein reale(re)s Gesicht - nämlich das des Alm-Öhi. Zu IHM zieht es die Heldin mehr als zu "grünen Wiesen im Sonnenschein".

So gehört das Wiedersehen zwischen Großvater und Enkeltochter auch in der 2015-er Adaption zu einer der rührendsten Filmszenen - geschuldet dem bekannt vielseitigen Bruno Ganz und der unbekannten Anuk Steffen. Ihnen zur Seite steht das Who's Who deutscher Schauspieler: Hannelore Hoger als lebenserfahrene und -begleitende Großmutter, Peter Lohmeyer als verschmitzt-verbündeter Hausdiener Sebastian sowie Katharina Schüttler als stets pikiertes, wenn auch etwas zu junges Fräulein Rottenmeier.

Mit dem Anspruch originalnahe Sprache zu verwenden stellt der Film sich allerdings ein Bein: Einige Rollen wurden nachsynchronisiert - und holpern damit zwischen Hoch- und Schweizerdeutsch. Auch hinsichtlich Frisuren und Schminke gibt es den einen oder anderen Anschlussfehler. Dennoch Prädikat "sehenswert"