Samstag, 5. Dezember 2015

Im Spiegel der Ereignisse / Dinge, die die Welt (nicht) braucht - Teil 34

Wie gut oder schlecht die heute genannte Erfindung für den Lauf der Geschichte war, mag jede(r) für sich selbst entscheiden. So manchem wurde ab 1507 ein nicht nur redensartlicher SPIEGEL vor's Gesicht gehalten. Das dafür angewandte Aufbringen von Zinn-Amalgam auf Glas war zwar schon seit dem 14. Jahrhundert bekannt, oblag bis dato aber ausschließlich deutschen und flämischen Fabrikanten. Auf Antrag der Gebrüder Danzola del Gallo aus Murano wurde der geheime Herstellungsprozess freigegeben und ermöglichte es fortan allen, sich selbst gegenüberzutreten. Zumindest theoretisch, denn die Anfertigung von gläsernen Spiegeln war und blieb eine kostspielige Sache: Noch mehr als 100 Jahre nach der Freigabe überstieg der Wert einer undurchsichtigen Scheibe den Preis berühmter Gemälde um ein Vielfaches.

Wer sich wundert, dass Narziss oder Till Eulenspiegel schon vor dem genannten Datum berühmte "Spiegelaffen" sein konnten: Sie benutzten die ihrerzeit üblichen Silberplatten. Schneewittchens eifersüchtige Stiefmutter hingegen besaß ein Exemplar aus Glas - was beweist, dass die Erzählung um sie noch gar nicht so alt ist, wie viele Illustrationen uns glauben machen.